
Zucker mit starker Gegenbewegung – Erholung trotz weiter bearisher Struktur
Zucker mit starker Gegenbewegung – Erholung trotz weiter bearisher Struktur

Unterstützt wurde die Bewegung vor allem durch einen stärkeren brasilianischen Real, der auf ein Zwei-Jahres-Hoch gegenüber dem US-Dollar gestiegen ist. Das erschwert Exportverkäufe brasilianischer Produzenten und wirkt kurzfristig preisstützend. Gleichzeitig wurden die Erwartungen an den globalen Zuckerüberschuss zuletzt etwas reduziert. Mehrere Analystenhäuser haben ihre Überschussprognosen für die Saison 2026/27 deutlich nach unten angepasst, was den massiven Abwärtsdruck etwas entschärft.
Trotzdem bleibt das größere fundamentale Bild weiterhin schwierig. Hohe Produktionserwartungen aus Brasilien, steigende Exporte aus Indien und insgesamt eine komfortable globale Versorgung sorgen dafür, dass Zucker strukturell weiterhin unter Druck steht. Die aktuelle Erholung ist deshalb zunächst eher als technische Gegenbewegung innerhalb eines schwachen Gesamtmarktes zu sehen.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den COT-Daten. Das Managed Money hat die Aufwärtsbewegung genutzt, um die Short-Positionen massiv wieder auszubauen. Aktuell liegt die Netto-Short-Position bei 155.841 Kontrakten. Anfang April war diese noch auf knapp 65.000 Kontrakte zurückgegangen – innerhalb weniger Wochen wurden also fast 90.000 zusätzliche Short-Kontrakte aufgebaut. Das zeigt klar, dass große Marktteilnehmer der Erholung weiterhin misstrauen.
Auch saisonal bleibt das Bild schwierig. Historisch tendiert Zucker bis Mitte Juni eher schwächer, bevor sich wieder eine bessere saisonale Chance auf der Long-Seite ergibt. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass Zucker seiner klassischen Saisonalität in den vergangenen Monaten nicht besonders sauber gefolgt ist, weshalb diese aktuell mit etwas Vorsicht zu interpretieren ist.
Fazit:
Die starke Wochenperformance ist ein wichtiges Signal nach dem massiven Abverkauf zuvor, ändert aber noch nichts am übergeordnet schwachen Bild. Die massiv wieder aufgebauten Short-Positionen des Managed Money zeigen, dass institutionell weiterhin auf fallende Preise gesetzt wird. Solange Zucker nicht nachhaltig über wichtige Widerstände zurückkehrt, bleibt die aktuelle Bewegung eher eine technische Erholung als ein echter Trendwechsel. Kurzfristig stabiler, strukturell aber weiterhin vorsichtig zu bewerten.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.