Zucker mit starker Gegenbewegung – Erholung trotz weiter bearisher Struktur
Rohstoffe
Carsten Stork
26. April 2026

Zucker mit starker Gegenbewegung – Erholung trotz weiter bearisher Struktur

Zucker mit starker Gegenbewegung – Erholung trotz weiter bearisher Struktur


Der Zucker-Future (Sugar #11, ICE US) konnte in der vergangenen Woche eine deutliche Erholung zeigen und legte starke 4,67 % zu. Der Schlusskurs lag bei 14,11 US-Cent pro Pfund. Nach den massiven Verlusten der vergangenen Wochen war diese Gegenbewegung überfällig und technisch notwendig. Der Markt hatte zuvor auf ein Mehrjahrestief korrigiert und zeigte nun erstmals wieder spürbare Stabilisierung.

Unterstützt wurde die Bewegung vor allem durch einen stärkeren brasilianischen Real, der auf ein Zwei-Jahres-Hoch gegenüber dem US-Dollar gestiegen ist. Das erschwert Exportverkäufe brasilianischer Produzenten und wirkt kurzfristig preisstützend. Gleichzeitig wurden die Erwartungen an den globalen Zuckerüberschuss zuletzt etwas reduziert. Mehrere Analystenhäuser haben ihre Überschussprognosen für die Saison 2026/27 deutlich nach unten angepasst, was den massiven Abwärtsdruck etwas entschärft.

Trotzdem bleibt das größere fundamentale Bild weiterhin schwierig. Hohe Produktionserwartungen aus Brasilien, steigende Exporte aus Indien und insgesamt eine komfortable globale Versorgung sorgen dafür, dass Zucker strukturell weiterhin unter Druck steht. Die aktuelle Erholung ist deshalb zunächst eher als technische Gegenbewegung innerhalb eines schwachen Gesamtmarktes zu sehen.

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den COT-Daten. Das Managed Money hat die Aufwärtsbewegung genutzt, um die Short-Positionen massiv wieder auszubauen. Aktuell liegt die Netto-Short-Position bei 155.841 Kontrakten. Anfang April war diese noch auf knapp 65.000 Kontrakte zurückgegangen – innerhalb weniger Wochen wurden also fast 90.000 zusätzliche Short-Kontrakte aufgebaut. Das zeigt klar, dass große Marktteilnehmer der Erholung weiterhin misstrauen.

Auch saisonal bleibt das Bild schwierig. Historisch tendiert Zucker bis Mitte Juni eher schwächer, bevor sich wieder eine bessere saisonale Chance auf der Long-Seite ergibt. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass Zucker seiner klassischen Saisonalität in den vergangenen Monaten nicht besonders sauber gefolgt ist, weshalb diese aktuell mit etwas Vorsicht zu interpretieren ist.

Fazit:

Die starke Wochenperformance ist ein wichtiges Signal nach dem massiven Abverkauf zuvor, ändert aber noch nichts am übergeordnet schwachen Bild. Die massiv wieder aufgebauten Short-Positionen des Managed Money zeigen, dass institutionell weiterhin auf fallende Preise gesetzt wird. Solange Zucker nicht nachhaltig über wichtige Widerstände zurückkehrt, bleibt die aktuelle Bewegung eher eine technische Erholung als ein echter Trendwechsel. Kurzfristig stabiler, strukturell aber weiterhin vorsichtig zu bewerten.

Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.