
Rohstoffe
Carsten Stork
08. Juni 2026
WTI bleibt im Plus: Rücksetzer zum Wochenschluss relativiert starke Wochenmitte
WTI bleibt im Plus: Rücksetzer zum Wochenschluss relativiert starke Wochenmitte

Der WTI Crude Oil Future hat die vergangene Woche mit einem Plus von 2,88 % beendet und bei 90,25 US-Dollar pro Fass geschlossen. Besonders auffällig war dabei der Wochenverlauf. Zur Wochenmitte konnte der Ölpreis noch bis in den Bereich von fast 97 US-Dollar ansteigen, gab diese Gewinne anschließend jedoch wieder deutlich ab. Damit blieb unter dem Strich zwar ein Wochenplus stehen, der Schlusskurs zeigt aber auch, dass der Markt zum Ende der Woche wieder spürbar unter Druck geraten ist.
Donald Trump hat mit seinem bekannten Friedensnarrativ erneut Druck aus dem Ölmarkt genommen. Der Markt reagierte auf Aussagen, dass die Gespräche mit Iran vorankommen könnten, obwohl gleichzeitig keine echte Lösung sichtbar ist und die Straße von Hormus weiterhin ein zentraler Risikofaktor bleibt. Genau darin liegt die aktuelle Diskrepanz: Der Ölpreis handelt kurzfristig politische Hoffnung, während die physische Versorgungslage weiter angespannt bleibt.
Zusätzlichen Druck brachte zum Wochenschluss die Nachfrageseite. Schwächere chinesische Rohölimporte und Sorgen über eine langsamere globale Nachfrage belasteten den Markt. Gleichzeitig sorgte der starke US-Arbeitsmarktbericht für einen festeren Dollar und steigende Zinserwartungen. Auch das war kurzfristig negativ für Rohstoffe und damit auch für WTI.
Bei den COT-Daten hat das Managed Money seine Long-Position weiter reduziert und hält nur noch knapp 156.000 Kontrakte netto long. Das ist deutlich weniger als kurz nach Ausbruch des Krieges und insgesamt keine besonders große Positionierung. Der spekulative Markt ist also nicht übermäßig bullish aufgestellt. Das erklärt einen Teil der zurückhaltenden Marktreaktion, bedeutet aber auch, dass bereits viel Risiko aus dem Markt genommen wurde.
Fazit:
WTI bleibt ein schwieriger, aber hoch spannender Markt. Das Wochenplus von 2,88 % und der Schlusskurs bei 90,25 US-Dollar zeigen, dass der Markt auf Wochenbasis zulegen konnte. Gleichzeitig wurde der Anstieg bis fast 97 US-Dollar nicht gehalten. Belastend wirkten Friedenshoffnungen, ein fester Dollar und schwächere China-Daten. Die Angebotslage bleibt jedoch angespannt, und die Straße von Hormus ist weiterhin nicht normalisiert. Ich sehe den Rücksetzer zum Wochenschluss deshalb nicht als Entwarnung, sondern als Marktreaktion auf politische Hoffnung. Entscheidend wird sein, ob diese Hoffnung durch echte Fortschritte bestätigt wird oder ob der physische Engpass erneut in den Vordergrund rückt.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.