
Silber mit starker Woche – aber strukturelle Schwäche bleibt
Silber mit starker Woche – aber strukturelle Schwäche bleibt

Der Silber-Future an der COMEX konnte in der vergangenen Woche zwar ein Plus von 4,93 % verzeichnen und schloss bei 73,17 US-Dollar, die Preisentwicklung war jedoch von hoher Volatilität geprägt. Zwischenzeitlich stieg der Markt auf über 75 US-Dollar, konnte dieses Niveau jedoch nicht halten und geriet im weiteren Wochenverlauf erneut unter Druck. Der Rücksetzer zum Wochenschluss zeigt, dass Verkaufsinteresse auf höheren Niveaus weiterhin präsent ist.
Die Kursstruktur wirkt damit zunehmend anfällig. Der Markt schafft es aktuell nicht, Aufwärtsbewegungen nachhaltig zu bestätigen, sondern läuft immer wieder in Gewinnmitnahmen hinein. Genau dieses Verhalten ist typisch für eine Phase, in der die zugrunde liegende Nachfrage an Stärke verliert und der Markt beginnt, an Momentum einzubüßen.
Ein entscheidender Punkt bleibt die Positionierung. Die COT-Daten zeigen, dass das Managed Money nur noch rund 23.900 Kontrakte auf der Long-Seite hält. Das ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Spitzenwerten von über 62.000 Kontrakten im Juni des vergangenen Jahres. Diese Entwicklung signalisiert, dass die strukturelle Unterstützung durch institutionelle Investoren spürbar nachlässt.
Auch das makroökonomische Umfeld wirkt aktuell belastend. Der stärkere US-Dollar sowie steigende Zinsen – getrieben durch höhere Energiepreise und zunehmende Inflationssorgen – setzen Edelmetalle generell unter Druck. Silber reagiert auf diese Faktoren typischerweise sensibler als Gold, was die stärkeren Ausschläge erklärt.
Aus saisonaler Sicht ergibt sich ebenfalls kein unterstützendes Bild. Historisch tendiert Silber bis Ende Juni eher schwächer, was die aktuelle Marktstruktur zusätzlich bestätigt und die Wahrscheinlichkeit weiterer Rücksetzer erhöht.
Fazit:
Der Silber-Future zeigt trotz eines positiven Wochenergebnisses klare Schwächesignale. Die Kombination aus nachlassender Long-Positionierung, fehlendem Momentum und negativer Saisonalität spricht für ein erhöhtes Abwärtsrisiko. Vorsicht bleibt angebracht, da der Markt aktuell eher von Verkäufern als von Käufern dominiert wird.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.