
Politischer Druck lässt CO2-Zertifikate einbrechen – ETS verliert seine Knappheitsprämie
Politischer Druck lässt CO2-Zertifikate einbrechen – ETS verliert seine Knappheitsprämie

Die europäischen CO2-Zertifikate standen in der vergangenen Woche massiv unter Druck und schlossen bei 70,49 EUR je Tonne – ein Wochenverlust von 11,08 %. Noch vor wenigen Wochen wurden Preise von über 90 EUR gehandelt. Innerhalb von zwei bis drei Wochen hat der Markt damit rund 20 EUR verloren – eine außergewöhnlich schnelle Bewegung für diesen ansonsten strukturell eher trägen Markt.
Auslöser war vor allem die politische Komponente. Die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz, man müsse das ETS-System offen überarbeiten oder verschieben, haben das zentrale Markt-Narrativ angegriffen: die künstliche Verknappung von Emissionsrechten. Genau diese erwartete Knappheit war bislang die Grundlage für die langfristig bullische Story im Carbon-Markt. Sobald Marktteilnehmer beginnen, an der regulatorischen Verlässlichkeit zu zweifeln, verschwindet die Risikoprämie schlagartig – und genau das war in der vergangenen Woche zu beobachten.
Zusätzlich wirkten hohe Auktionsvolumina und Positionsabbau institutioneller Investoren belastend. Der Markt handelt aktuell nicht mehr primär Angebot vs. Nachfrage der Industrie, sondern politische Unsicherheit. Damit hat sich CO2 kurzfristig von einem strukturellen Knappheitsmarkt zu einem politischen Markt gewandelt.
Fazit: Der Trend bleibt kurzfristig klar abwärtsgerichtet, solange regulatorische Eingriffe diskutiert werden. Erst wenn die Politik wieder Planungssicherheit signalisiert, kann sich die bullische Knappheitsstory im CO2-Markt stabilisieren.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.