
Rohstoffe
Carsten Stork
08. Juni 2026
Platin gerät deutlich unter Druck: Zinsangst überlagert strukturell engen Markt
Platin gerät deutlich unter Druck: Zinsangst überlagert strukturell engen Markt

Der Platin-Future hat eine sehr schwache Handelswoche hinter sich. Auf Wochenbasis verlor der Kontrakt 7,55 % und schloss bei 1.777,40 US-Dollar je Unze. Der größte Teil der Verluste entstand am Freitag nach Veröffentlichung der deutlich stärker als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten. Damit wurde Platin wie auch Gold, Silber und Palladium von der erneuten Neubewertung der Zinserwartungen erfasst.
Der zentrale Belastungsfaktor bleibt die Zinsseite. Die starken US-Arbeitsmarktdaten bestätigen das bereits hawkische Bild in den USA. Der Markt rechnet nicht mehr mit Zinssenkungen, sondern zunehmend mit der Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen. Für Edelmetalle ist das kurzfristig schwierig, weil steigende Renditen und ein festerer US-Dollar die Opportunitätskosten erhöhen. Genau diese Kombination hat den gesamten Edelmetallkomplex unter Druck gesetzt.
Gleichzeitig bleibt das fundamentale Bild bei Platin deutlich interessanter als es die kurzfristige Kursbewegung vermuten lässt. Der Markt ist strukturell eng. Die Angebotslage bleibt angespannt, vor allem durch Probleme in wichtigen Förderländern wie Südafrika und Russland. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage aus dem Automobilsektor robust, unterstützt durch Hybridfahrzeuge und strengere Emissionsstandards. Kurzfristig handelt der Markt jedoch nicht diese strukturellen Faktoren, sondern vor allem Zinsen, Dollar und Liquiditätsdruck.
Interessant sind die COT-Daten. Das Managed Money hält weiterhin eine Long-Position von knapp 17.000 Kontrakten. Trotz des starken Preisverfalls wurde diese Position nicht signifikant reduziert. Das ist tendenziell positiv zu werten, weil institutionelle Anleger den Platin-Trade bislang nicht vollständig aufgeben.
Saisonal müssen wir allerdings noch mit Gegenwind rechnen. Bis Mitte oder Ende Juni kann Platin weiter anfällig bleiben. Danach könnte sich das saisonale Bild wieder verbessern.
Fazit:
Platin hatte mit einem Wochenminus von 7,55 % und einem Schlusskurs bei 1.777,40 US-Dollar eine sehr schwache Woche. Belastend wirkten vor allem steigende Zinserwartungen, ein stärkerer Dollar und der breite Druck auf Edelmetalle. Gleichzeitig bleiben die COT-Daten mit knapp 17.000 Managed-Money-Long-Kontrakten konstruktiv. Kurzfristig bleibt Vorsicht angebracht, ab Mitte bis Ende Juni könnte sich saisonal wieder ein besseres Zeitfenster öffnen.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.