
Rohstoffe
Carsten Stork
08. Juni 2026
Kupfer scheitert am alten Hoch: Doppeltop-Risiko nach schwachem Wochenschluss
Kupfer scheitert am alten Hoch: Doppeltop-Risiko nach schwachem Wochenschluss

Der an der CME gehandelte Kupfer-Future hat eine schwache Woche hinter sich. Auf Wochenbasis verlor der Kontrakt 1,82 %. Besonders auffällig war der Verlauf innerhalb der Woche: Kupfer konnte zunächst noch einmal bis in den Bereich von fast 670 US-Cents ansteigen und damit nahe an das bisherige Allzeithoch heranlaufen. Ein nachhaltiger Ausbruch gelang jedoch nicht. Stattdessen drehte der Markt wieder nach unten und ging nahe dem Wochentief aus dem Handel. Damit entsteht kurzfristig eher der Eindruck eines möglichen Doppeltops als einer bestätigten Fortsetzung des Aufwärtstrends.
Der entscheidende Belastungsfaktor war erneut der starke US-Arbeitsmarktbericht. Die deutlich besseren Beschäftigungsdaten haben die Zinserwartungen in den USA nach oben verschoben und den US-Dollar gestützt. In einem solchen Umfeld geraten viele Rohstoffe kurzfristig unter Druck, selbst wenn die fundamentale Ausgangslage weiterhin konstruktiv bleibt. Genau dieses Muster haben wir auch bei Kupfer gesehen.
Fundamental bleibt Kupfer dennoch einer der spannendsten Rohstoffmärkte. Die Diskussion um mögliche US-Zölle auf raffiniertes Kupfer bleibt ein wichtiger Faktor. Sollte Washington entsprechende Maßnahmen vorbereiten, könnten sich globale Handelsströme weiter verschieben und zusätzliche Lageraufbauten in den USA auslösen. Gleichzeitig sorgen die Störungen rund um die Straße von Hormus, Schwefel- und Schwefelsäuremärkte sowie niedrige Lagerbestände außerhalb der USA weiterhin für ein angespanntes Marktbild.
Besonders stark bleiben die COT-Daten. Das Managed Money hat seine Long-Position weiter ausgebaut und hält inzwischen 78.833 Kontrakte netto long. Das ist die größte Position seit Oktober 2020 und damit seit fast sechs Jahren. Diese Positionierung ist beachtlich und zeigt, dass institutionelle Anleger den übergeordneten Kupfer-Trade weiterhin sehr klar spielen.
Kurzfristig mahnt allerdings die Saisonalität zur Vorsicht. Bis Ende Juni ist Kupfer saisonal eher anfällig, bevor sich das Bild anschließend wieder verbessern sollte.
Fazit:
Kupfer bleibt strukturell interessant, kurzfristig hat sich das Bild jedoch eingetrübt. Das Minus von 1,82 %, der gescheiterte Anlauf an das alte Hoch und der Schluss nahe dem Wochentief sprechen für kurzfristigen Druck. Technisch muss nun auch ein mögliches Doppeltop berücksichtigt werden. Gleichzeitig bestätigen die COT-Daten mit der größten Managed-Money-Long-Position seit Oktober 2020 das institutionelle Interesse. Kurzfristig bleibt die Saisonalität schwierig, mittelfristig bleibt Kupfer für mich einer der wichtigsten Rohstoffmärkte.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.