
Rohstoffe
Carsten Stork
10. Februar 2026
Kakao stabilisiert sich nach 20-Monats-Tief – Nachfrage bleibt schwach, Angebot steigt
Kakao stabilisiert sich nach 20-Monats-Tief – Nachfrage bleibt schwach, Angebot steigt

Der Cocoa-Future zeigte sich in der vergangenen Handelswoche leicht erholt und legte nach mehreren Verlustwochen um +1,60 % zu. Der Dezember-Kontrakt schloss bei 5.917 USD/t, nachdem er am Freitag kurzzeitig über die psychologisch wichtige Marke von 6.000 USD/t kletterte, dort aber auf starken Verkaufsdruck stieß. Im Wochentief fiel der Future am Montag bis auf 5.657 USD/t – den niedrigsten Stand seit Februar 2024.
Die Erholung zum Wochenschluss war vor allem technischer Natur, denn fundamental bleibt der Druck auf die Preise bestehen. Neue Zahlen der Cocoa Association of Asia zeigen, dass die asiatische Verarbeitung im dritten Quartal um –17 % gegenüber dem Vorjahr eingebrochen ist – der schwächste Wert seit neun Jahren. Auch in Europa ging das Mahlvolumen um –4,8 % zurück, während Nordamerika einen leichten Anstieg von +3,2 % meldete – allerdings verzerrt durch neue Berichtspflichten. Die Daten bestätigen den globalen Nachfragerückgang, der bereits seit Monaten auf den Kakaopreis drückt.
Auf der Angebotsseite sorgen die steigenden Erntemengen in der Elfenbeinküste und Ghana für zusätzlichen Gegenwind. Beide Länder haben die Erzeugerpreise kräftig angehoben, was den Absatz der Bohnen ankurbelt und die Liefermengen an die Häfen steigen lässt. Laut aktuellen Zahlen hat Ghana seine Kakaolieferungen an die Exporthäfen im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht, während in der Elfenbeinküste die Haupternte vielversprechend angelaufen ist. Das deutet auf ein globales Überangebot im neuen Erntejahr 2024/25 hin.
Ein leicht stützender Faktor bleibt der Rückgang der ICE-zertifizierten Lagerbestände, die zuletzt auf 1,87 Mio. Säcke gefallen sind – ein Sechsmonatstief. Außerdem birgt die bevorstehende Präsidentschaftswahl in der Elfenbeinküste geopolitisches Risiko: Sollte es zu Protesten oder Blockaden kommen, könnten Lieferketten kurzfristig gestört werden.
Fazit:
Kakao hat nach der Korrektur erstmals wieder Stabilität gefunden, doch die fundamentale Lage bleibt schwach. Die Nachfrage bröckelt, während die Ernten in Westafrika zunehmen. Kurzfristig sind technische Gegenbewegungen möglich, mittelfristig dürfte der Preisdruck aber anhalten – insbesondere, wenn sich die Anzeichen für ein Angebotsüberschussjahr bestätigen. Nur eine geopolitische Eskalation oder wetterbedingte Ausfälle könnten den Trend vorübergehend drehen.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.