Kaffee unter Druck – geopolitische Prämie fällt, Angebot rückt in den Fokus
Rohstoffe
Carsten Stork
19. April 2026

Kaffee unter Druck – geopolitische Prämie fällt, Angebot rückt in den Fokus

Kaffee unter Druck – geopolitische Prämie fällt, Angebot rückt in den Fokus


Der Arabica Coffee Future (ICE US, Juli-Kontrakt) musste in der vergangenen Handelswoche deutlich nachgeben und schloss mit einem Minus von 4,32 % bei 283,55 US-Cent. Damit gibt der Markt einen Teil der zuvor aufgebauten Rally wieder ab und reagiert spürbar auf veränderte geopolitische Erwartungen.

Ausschlaggebend für die Schwäche war vor allem die Entwicklung rund um den Iran-Konflikt und die Straße von Hormuz. In den Wochen zuvor hatte der Markt stark von steigenden Fracht- und Versicherungskosten profitiert, da die Risiken für den globalen Handel deutlich zugenommen hatten. Diese geopolitische Prämie wurde nun teilweise wieder abgebaut, nachdem Meldungen über eine mögliche Öffnung der Straße von Hormuz die Erwartung einer Normalisierung der Lieferketten verstärkten.

Wichtig ist dabei: Der Markt reagiert aktuell stark auf Schlagzeilen. Auch wenn die tatsächliche Lage weiterhin angespannt bleibt, reicht bereits die Hoffnung auf Entspannung aus, um kurzfristig Druck auf die Preise auszuüben.

Fundamental rückt damit wieder das Angebot in den Vordergrund. Die Erwartungen an eine starke Kaffeeproduktion in Brasilien bleiben hoch. Prognosen gehen für 2026 von einer deutlich steigenden Ernte aus, unterstützt durch überwiegend günstige Wetterbedingungen. Auch global wird mit einer Rekordproduktion gerechnet, was das strukturelle Angebotsbild klar belastet.

Zusätzlich wirken steigende Lagerbestände preisdrückend. Die ICE-Bestände haben zuletzt zugenommen, was signalisiert, dass kurzfristig ausreichend Ware verfügbar ist und die Angebotsseite den Markt aktuell dominiert.

Die Positionierung zeigt ein neutrales Bild. Das Managed Money ist leicht auf der Long-Seite positioniert mit rund 22.817 Kontrakten, ohne dass sich daraus ein klarer Impuls ableiten lässt. Es fehlt aktuell an einer ausgeprägten spekulativen Überzeugung in eine Richtung.

Ein klarer Gegenpol bleibt die Saisonalität. Historisch befindet sich der Kaffee-Future bis Mitte/Ende Mai in einer positiven Phase, was grundsätzlich für steigende Preise spricht und das aktuelle Setup stabilisieren könnte.

Insgesamt ergibt sich damit ein klassisches Spannungsfeld: kurzfristiger Druck durch geopolitische Entspannung und steigendes Angebot trifft auf eine unterstützende saisonale Phase.

Fazit:

Der Kaffee-Future steht kurzfristig unter Druck durch den Abbau der geopolitischen Risikoprämie und ein zunehmend belastendes Angebotsbild. Gleichzeitig liefert die Saisonalität einen klaren Gegenpol. Das Setup bleibt damit gemischt, mit Chancen auf Stabilisierung, sofern die saisonalen Effekte stärker greifen.

Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.