Higher for Longer
Rohstoffe
Carsten Stork
26. April 2026

Higher for Longer

Fed vor Regimewechsel? Warum Zinssenkungen plötzlich wieder in weite Ferne rücken


Fed: Aktuelle Lage und Ausblick


Die vergangene Woche hat die politische Brisanz rund um die US-Notenbank noch einmal deutlich verschärft. Das US-Justizministerium hat die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Fed-Chef Jerome Powell zwar offiziell eingestellt, doch damit ist das eigentliche Thema nicht verschwunden – sondern lediglich in die nächste Phase übergegangen.

Im Zentrum stand zuletzt der Vorwurf rund um Kostenüberschreitungen bei den Renovierungen der Fed-Gebäude in Washington. Kritiker sahen darin jedoch weniger eine echte strafrechtliche Untersuchung als vielmehr politischen Druck aus dem Weißen Haus, Powell zu Zinssenkungen oder zu einem vorzeitigen Rückzug zu bewegen.

Mit dem Ende der Ermittlungen wird nun der Weg für Kevin Warsh als designierten Nachfolger deutlich freier. Seine Anhörung vor dem Senate Banking Committee in dieser Woche hat gezeigt, wohin die geldpolitische Richtung unter einer neuen Fed-Führung gehen könnte.

Warsh sprach offen von einem notwendigen „Regimewechsel“ in der Geldpolitik. Seine zentrale Aussage: „Inflation is a choice.“ Damit macht er klar, dass er hohe Inflation nicht als externes Schicksal, sondern als Folge politischer und geldpolitischer Fehlentscheidungen betrachtet. Sein Fokus liegt deutlich stärker auf Preisstabilität, einer kritischeren Haltung gegenüber der Bilanzpolitik der Fed sowie einer restriktiveren Interpretation des Mandats.

Gleichzeitig verschlechtert sich das Konsumentenvertrauen in den USA spürbar. Das Verbrauchervertrauen der University of Michigan fiel im April auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Datenreihe 1978. Belastend wirken vor allem die Folgen des Nahost-Konflikts, steigende Benzinpreise, Inflationssorgen und anhaltende Probleme bei der finanziellen Leistbarkeit vieler Haushalte.

Damit entsteht ein spannendes Spannungsfeld: schwächeres Sentiment auf der Konsumentenseite trifft auf eine potenziell deutlich hawkishere Fed-Spitze.

Aktuelle Einschätzung der Fed

Die aktuelle Marktpreisanpassung zeigt, dass die Erwartung schneller Zinssenkungen weiter zurückgedrängt wird. Das CME FedWatch Tool signalisiert weiterhin, dass bis weit ins Jahr 2027 hinein kaum mit Zinssenkungen gerechnet wird. Die erste Senkung um 25 Basispunkte wird derzeit erst für Juni 2027 eingepreist, eine weitere mögliche Senkung für Dezember 2027.

Kevin Warshs Aussagen verstärken dieses Bild zusätzlich.

Sein geforderter „Regime Change“ deutet auf eine Fed hin, die Inflation künftig noch kompromissloser bekämpfen könnte. Besonders seine Forderung nach einer Überprüfung der Bilanzpolitik – also der Folgen von QE und QT – zeigt, dass er die Fehler der vergangenen Jahre nicht wiederholen will.

Zwar betont Warsh formal die Unabhängigkeit der Fed, gleichzeitig formuliert er diese deutlich enger: politische Unabhängigkeit ja, aber innerhalb eines klar definierten Mandatsrahmens des Kongresses. Genau diese Formulierung sorgt für Skepsis, weil sie als potenzielle Öffnung gegenüber politischem Einfluss aus dem Weißen Haus interpretiert wird.

Für die Märkte bedeutet das: Der Wechsel von Powell zu Warsh könnte weniger einen dovishen Neustart bringen, sondern eher eine kommunikativ deutlich härtere Fed.

Selbst wenn das Wachstum an Dynamik verliert, dürfte eine neue Fed-Führung deutlich vorsichtiger mit Zinssenkungen umgehen, solange Inflationsrisiken – insbesondere durch Energiepreise und geopolitische Unsicherheit – nicht klar verschwinden.

Fazit

Die Fed steht nicht nur vor einer geldpolitischen, sondern zunehmend auch vor einer institutionellen Richtungsentscheidung.

Mit dem Ende der Powell-Ermittlungen rückt Kevin Warsh als neuer Fed-Chef immer stärker ins Zentrum – und seine Aussagen zeigen klar: Der Markt sollte nicht auf einen schnellen geldpolitischen Kurswechsel hoffen.

Warsh steht für eine deutlich stärker inflationsfokussierte Notenbank, skeptischer gegenüber expansiver Geldpolitik und mit höherer Bereitschaft, Zinsen länger hoch zu halten.

Gleichzeitig verschlechtert sich das Konsumentenvertrauen spürbar, während Energiepreise und geopolitische Risiken den Inflationsdruck hoch halten. Genau diese Kombination macht die Lage so sensibel: schwächeres Wachstum trifft auf eine Fed, die weniger Bereitschaft für schnelle Lockerungen signalisiert.

Für die Märkte ist das entscheidend.

Die Hoffnung auf aggressive Zinssenkungen könnte sich als Fehlannahme erweisen. Stattdessen wächst das Risiko eines längeren „higher for longer“-Umfelds – diesmal nicht nur wegen der Datenlage, sondern auch wegen eines möglichen Führungswechsels an der Spitze der Fed.

Die ersten Signale unter Warsh könnten deshalb deutlich wichtiger werden als jede einzelne Inflationszahl der kommenden Wochen.

Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.