Henry Hub kann Vorwochenrally nicht fortsetzen – Short-Positionierung bleibt hoch
Rohstoffe
Carsten Stork
24. Mai 2026

Henry Hub kann Vorwochenrally nicht fortsetzen – Short-Positionierung bleibt hoch

Henry Hub kann Vorwochenrally nicht fortsetzen – Short-Positionierung bleibt hoch


Der Henry-Hub-Natural-Gas-Future konnte in der vergangenen Woche nicht an die starke Vorwoche anknüpfen. Auf Wochensicht verlor der Kontrakt 2,63 % und schloss bei 3,034 US-Dollar je MMBtu. Damit bleibt der Markt zwar oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 3 US-Dollar, die Dynamik der vorherigen Aufwärtsbewegung hat jedoch zunächst nachgelassen.

Belastend wirkten vor allem kühlere Wetterprognosen für die USA. Wenn die Temperaturen weniger stark steigen, fällt auch der erwartete Strombedarf für Klimaanlagen geringer aus. Genau dieser Punkt hat den Markt kurzfristig unter Druck gesetzt. Zusätzlich bleibt die Angebotsseite komfortabel. Die US-Produktion liegt weiter nahe Rekordniveau, und die jüngsten Lagerdaten fielen ebenfalls eher bearish aus. Die EIA meldete einen Lageraufbau von 101 Bcf, leicht über den Erwartungen und über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Gleichzeitig ist das Bild nicht einseitig negativ. Die LNG-Nachfrage bleibt ein wichtiger Stützungsfaktor. Höhere LNG-Flows zu US-Exportterminals zeigen, dass die globale Nachfrage nach US-Erdgas weiterhin relevant bleibt. Hinzu kommt die geopolitische Komponente: Die weiterhin angespannte Lage im Nahen Osten und Einschränkungen bei LNG-Lieferungen aus der Region können mittelfristig dazu führen, dass US-Gasexporte stärker gefragt bleiben.

Interessant sind vor allem die COT-Daten. Das Managed Money ist weiterhin klar short positioniert und hat die Short-Positionen zuletzt sogar wieder ausgebaut. Aktuell liegen diese bei mehr als 192.000 Kontrakten short. Das ist grundsätzlich ein Risikofaktor für die Short-Seite, weil bei stabileren Preisen oder positiven Nachrichten schnell Short-Covering einsetzen kann.

Saisonal bleibt das Setup ebenfalls konstruktiv. Historisch weist Erdgas bis Mitte Juni häufig noch Rückenwind auf. Damit ist die jüngste Schwäche zwar ärgerlich, aber noch kein endgültiger Bruch des Setups.

Fazit:
Henry Hub hat mit minus 2,63 % eine schwächere Woche hinter sich, bleibt mit dem Schlusskurs bei 3,034 US-Dollar aber technisch noch in Reichweite einer Stabilisierung. Kurzfristig belasten kühleres Wetter, hohe Produktion und solide Lagerbestände. Gleichzeitig sprechen hohe Managed-Money-Shorts, LNG-Nachfrage und die Saisonalität bis Mitte Juni weiterhin dafür, die Position engmaschig zu beobachten.
Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.