Henry Hub Gas: Fundamentale Enttäuschung trotz starker Saisonalität
Rohstoffe
Carsten Stork
26. April 2026

Henry Hub Gas: Fundamentale Enttäuschung trotz starker Saisonalität

Henry Hub Gas: Fundamentale Enttäuschung trotz starker Saisonalität


Der Henry Hub Natural Gas Future in den USA zeigte sich in der vergangenen Woche erneut schwach und verlor 4,54 %. Der Future schloss bei 2,689 US-Dollar und markierte damit eines der schwächsten Niveaus der vergangenen Monate. Besonders enttäuschend ist dabei, dass sich der Markt trotz geopolitischer Spannungen, steigender LNG-Nachfrage und der bevorstehenden Hurrikan-Saison weiterhin kaum stabilisieren kann.

Seit dem Hoch rund um den Arctic Blast im Januar hat Henry Hub inzwischen fast 33 % verloren. Die Volatilität bleibt dabei extrem. Von Anfang Dezember bis Januar fiel der Markt zunächst rund 40 %, nur um anschließend bis Anfang Februar um etwa 71 % anzusteigen. Seit diesem Hoch folgte nun erneut ein Rückgang von über 30 %. Diese Bewegungen zeigen, wie brutal und schnell der Gasmarkt auf Wetter, Lagerdaten und kurzfristige Fundamentalfaktoren reagiert.

Aktuell belastet vor allem das hohe Angebotsniveau. Die zuletzt veröffentlichten EIA-Lagerdaten mit einem Build von 103 Bcf waren klar bearish und markierten den frühesten dreistelligen Lageraufbau in dieser Größenordnung überhaupt. Die Speicherbestände liegen inzwischen rund 8 % über dem saisonalen Durchschnitt, was den Markt trotz steigender LNG-Exportflüsse stark unter Druck setzt.

Hinzu kommt das milde Frühlingswetter in den USA. Die Heiznachfrage ist bereits deutlich zurückgegangen, während die Kühlsaison noch nicht begonnen hat. Genau diese Übergangsphase sorgt regelmäßig für schwache Nachfrage und hohe Storage-Injections. Selbst die bereits leicht sinkende Produktion kann diesen Effekt bislang nicht kompensieren.

Auch die COT-Daten zeigen weiterhin ein sehr negatives Sentiment. Das Managed Money hat seine Short-Position zwar leicht reduziert, hält aber immer noch rund 168.000 Kontrakte auf der Short-Seite. Das ist weiterhin ein massives Übergewicht und zeigt, dass institutionelle Investoren dem Markt noch immer wenig Vertrauen schenken.

Besonders bemerkenswert bleibt die Diskrepanz zur Saisonalität. Historisch tendiert Henry Hub bis Mitte Juni eher freundlich, bevor mit Beginn der Hurrikan-Saison ab Juni und den ersten relevanten Sturmrisiken Richtung August und September oft eine deutlich stärkere Aufwärtsphase beginnt. Genau deshalb bleibt das aktuelle Verhalten des Marktes so schwer nachvollziehbar.

Fazit:

Henry Hub bleibt aktuell einer der frustrierendsten Märkte im Portfolio. Fundamentale Lagerdaten und schwache Nachfrage dominieren kurzfristig klar das Geschehen, obwohl Saisonalität, LNG-Exporte und die bevorstehende Hurrikan-Saison eigentlich ein deutlich konstruktiveres Bild zeichnen. Die extreme Short-Positionierung im Managed Money zeigt, wie negativ das Sentiment aktuell ist – und genau darin liegt auch das Potenzial für eine spätere, sehr dynamische Gegenbewegung. Noch fehlt der Trigger, aber strukturell bleibt Gas für uns weiterhin einer der spannendsten Märkte für die kommenden Monate.

Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.