EUR/USD vor Richtungsentscheidung – EZB rückt näher an Zinserhöhungen
Rohstoffe
Carsten Stork
03. Mai 2026

EUR/USD vor Richtungsentscheidung – EZB rückt näher an Zinserhöhungen

EUR/USD vor Richtungsentscheidung – EZB rückt näher an Zinserhöhungen


Der Euro zeigte sich in der vergangenen Woche nahezu unverändert und schloss bei 1,1718. Auf Wochenbasis ergibt sich ein marginales Plus von 0,01 %, was die aktuell abwartende Marktphase unterstreicht. Intraday konnte der EUR/USD am Freitag bis auf 1,17875 ansteigen, schaffte es jedoch nicht, dieses Niveau nachhaltig zu halten. Damit bleibt das Bild einer Konsolidierung auf erhöhtem Niveau bestehen, ohne dass bisher ein klarer Ausbruch gelungen ist.

Ein Blick auf die Positionierung bestätigt diese Zurückhaltung. Das Managed Money hält aktuell eine moderate Long-Position von rund 35.700 Kontrakten. Diese Positionierung ist weder extrem noch signalisiert sie eine überzogene Euphorie. Vielmehr zeigt sie eine vorsichtig konstruktive Haltung institutioneller Investoren, die grundsätzlich positiv positioniert sind, aber noch nicht aggressiv auf steigende Kurse setzen.

Im Mittelpunkt stand in der vergangenen Woche die EZB-Zinssitzung. Die Zinsen wurden wie erwartet unverändert belassen. Entscheidend war jedoch die Kommunikation von Christine Lagarde. Sie bestätigte, dass die Inflation im April auf rund 3,0 % gestiegen ist und damit deutlich über dem Zielwert von 2 % liegt. Besonders auffällig ist die Energieinflation, die mit rund 10,9 % einen erheblichen Preisdruck erzeugt und das Risiko von Zweitrundeneffekten deutlich erhöht.

Genau daraus ergibt sich der zentrale Treiber für den Euro. Der Markt rechnet aktuell mit weiteren Zinsschritten im Jahresverlauf. Konkret werden zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte eingepreist – voraussichtlich im Juni sowie in einer der folgenden Sitzungen, wahrscheinlich im September. Damit könnte der Einlagensatz von aktuell 2,0 % in Richtung 2,5 % steigen und die Zinsdifferenz zum US-Dollar teilweise reduzieren.

Diese Perspektive wirkt unterstützend für den Euro, auch wenn kurzfristig weiterhin Gegenwind durch die robuste US-Wirtschaft und stabile US-Zinsen bestehen bleibt. Entscheidend wird sein, ob sich der Inflationsdruck in Europa weiter verfestigt und die EZB gezwungen ist, konsequent nachzulegen.

Fazit:

Der EUR/USD befindet sich in einer entscheidenden Phase. Die Zinserwartungen sprechen zunehmend für den Euro, während die aktuelle Marktstruktur noch von Zurückhaltung geprägt ist. Ein nachhaltiger Ausbruch dürfte erst erfolgen, wenn sich die geldpolitischen Erwartungen weiter konkretisieren und die Inflation hoch bleibt.

Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.