
EUR/USD: Konsolidierung nach starkem Anstieg – Zinsdifferenz bleibt der zentrale Treiber
EUR/USD: Konsolidierung nach starkem Anstieg – Zinsdifferenz bleibt der zentrale Treiber

Die vergangene Woche verlief für den Euro gegenüber dem US-Dollar leicht schwächer. EUR/USD verlor auf Wochenbasis 0,34 % und schloss bei 1,1722. Noch am vergangenen Freitag notierte das Währungspaar oberhalb der Marke von 1,18, sodass der aktuelle Rücksetzer durchaus spürbar ist. Nach dem starken Anstieg der vergangenen Wochen wirkt diese Bewegung jedoch bislang eher wie eine normale Konsolidierung als ein struktureller Trendwechsel.
Im Fokus steht nun die kommende Notenbankwoche, insbesondere die EZB-Sitzung am 30. April. Aktuell wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen zunächst unverändert lässt. Gleichzeitig wächst jedoch die Erwartung, dass bereits beim Juni-Meeting eine erste Zinserhöhung im Euroraum folgen könnte. Genau diese Perspektive bleibt für uns der zentrale fundamentale Treiber.
Dem gegenüber steht eine US-Notenbank, bei der sich die Diskussion zunehmend in Richtung späterer Zinssenkungen bewegt. Auch wenn die Fed kurzfristig noch an ihrem restriktiven Kurs festhält, preist der Markt mittelfristig eher fallende US-Zinsen ein. Diese Zinsdifferenz – stabile bis perspektivisch höhere Zinsen im Euroraum versus spätere Lockerung in den USA – spricht weiterhin für strukturelle Unterstützung im Euro.
Auch die COT-Daten bestätigen dieses Bild. Das Managed Money hat seine Long-Positionen zuletzt erneut ausgebaut und hält aktuell 41.324 Kontrakte auf der Long-Seite. Das zeigt, dass institutionelle Marktteilnehmer trotz der jüngsten Schwäche weiterhin konstruktiv für den Euro positioniert bleiben.
Saisonal ist das Bild kurzfristig etwas gemischter. Historisch neigt der Euro dazu, bis etwa Mitte Mai noch ein saisonales Tief auszubilden, bevor dann häufig eine stärkere Aufwärtsphase bis in den August hinein beginnt. Das spricht dafür, dass kurzfristige Rücksetzer weiterhin möglich bleiben, das mittelfristige Setup jedoch konstruktiv bleibt.
Die kommende Woche mit EZB, Fed und den wichtigen Inflationsdaten dürfte deshalb richtungsweisend werden. Besonders spannend wird sein, wie klar sich die EZB hinsichtlich Juni positioniert und ob sich die Zinserwartungen weiter zugunsten des Euro verschieben.
Fazit:
Die aktuelle Schwäche im EUR/USD sehen wir weiterhin eher als Konsolidierung innerhalb eines übergeordnet konstruktiven Setups. Die ausgebaute Long-Positionierung im Managed Money, die Aussicht auf stabile beziehungsweise perspektivisch höhere Zinsen im Euroraum und die mittelfristig positive Saisonalität sprechen weiterhin für den Euro. Kurzfristig bleibt die EZB-Sitzung entscheidend, strukturell bleibt die Zinsdifferenz jedoch unser stärkstes Argument für höhere Kurse im weiteren Jahresverlauf.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.