CO2-Zertifikate bleiben stabil – strukturelle Knappheit stützt den Markt
Rohstoffe
Carsten Stork
18. Mai 2026

CO2-Zertifikate bleiben stabil – strukturelle Knappheit stützt den Markt

CO2-Zertifikate bleiben stabil – strukturelle Knappheit stützt den Markt


Die europäischen CO2-Zertifikate konnten in der vergangenen Woche leicht zulegen. Auf Wochensicht stiegen die EUAs um 0,79 % und schlossen bei 75,77 Euro je Tonne. Zu Wochenbeginn sah das Bild sogar noch etwas stärker aus: Der Markt konnte zeitweise über 77 Euro ansteigen, gab diese Gewinne im weiteren Verlauf jedoch wieder teilweise ab. Trotzdem bleibt die Bewegung konstruktiv, weil sich die Zertifikate weiterhin stabil im Bereich der mittleren 70er-Zone halten.

Auffällig ist dabei, dass CO2 zuletzt moderat zulegen konnte, obwohl die Energiepreise nicht durchgehend unterstützend wirkten. Normalerweise reagieren EUAs häufig sensibel auf Gas- und Strompreise. Dass der Markt dennoch stabil bleibt, zeigt, dass derzeit nicht nur kurzfristige Energieimpulse entscheidend sind, sondern vor allem strukturelle und regulatorische Faktoren.

Politisch bleibt der EU-ETS weiter im Fokus. Die EU-Kommission arbeitet an einer stärkeren Ausweitung des Emissionshandels im Luftverkehr. Gleichzeitig gibt es Diskussionen über Entlastungen für energieintensive Industrie, etwa über kostenlose Zertifikate oder neue Unterstützungsmaßnahmen. Das zeigt den Spagat: Brüssel will den CO2-Preis als Steuerungsinstrument erhalten, muss aber gleichzeitig verhindern, dass die Industrie durch zu hohe Kosten zu stark belastet wird.

Mittel- bis langfristig bleibt die strukturelle Richtung dennoch klar. Der Cap-Pfad, die Marktstabilitätsreserve und die Einbeziehung weiterer Sektoren sprechen dafür, dass das Angebot an Zertifikaten knapper bleibt. Auch die neue Carbon-Market-Koalition zwischen EU, China und Brasilien zeigt, dass CO2-Bepreisung global an Bedeutung gewinnt.

Fazit:
Die CO2-Zertifikate bleiben in einem konstruktiven Seitwärts- bis Aufwärtstrend. Der Wochengewinn von 0,79 % ist nicht spektakulär, aber wichtig, weil der Markt trotz fehlender starker Energieunterstützung stabil bleibt. Solange EU-ETS-Reformen, strukturelle Knappheit und politische Ausweitungsschritte intakt bleiben, sehe ich den Markt weiter gut unterstützt.
Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.