
CO₂-Zertifikate unter 70 EUR – Politischer Druck belastet das ETS
CO₂-Zertifikate unter 70 EUR – Politischer Druck belastet das ETS

Die EU-CO₂-Zertifikate (EUA) verloren in der vergangenen Handelswoche 4,87 % und schlossen bei 69,93 EUR – damit knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 70 EUR. Nachdem der Markt in der Vorwoche noch über 4 % zulegen konnte, wurde die Erholung vollständig wieder abverkauft. Der Abwärtstrend setzt sich damit fort.
Auf Sicht der letzten vier Wochen summiert sich der Rückgang inzwischen auf nahezu 20 %. Der Markt notiert auf einem Mehrmonatstief. Neben einer schwächeren Industrie- und Stromnachfrage belastet vor allem die politische Diskussion rund um das EU-ETS (Emissions Trading System). Mehrere Mitgliedstaaten und Industrieverbände drängen auf Anpassungen, um die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Branchen zu sichern. Die Debatte über mögliche Änderungen bei der kostenlosen Zuteilung (Free Allocation) verstärkt die Unsicherheit zusätzlich.
Strukturell bleibt der Verknappungspfad des Systems zwar bestehen – insbesondere durch die schrittweise Reduktion kostenloser Zertifikate und die Einführung des CBAM. Kurzfristig dominiert jedoch die Sorge, dass politische Eingriffe das Aufwärtspotenzial begrenzen könnten.
Technisch wirkt der Markt angeschlagen. Der Bruch der 70-EUR-Marke verschlechtert das Chartbild und signalisiert anhaltenden Verkaufsdruck.
Fazit:
Die CO₂-Zertifikate stehen unter politischem und konjunkturellem Druck. Solange die Reformdiskussion anhält und keine klare Nachfragebelebung sichtbar wird, bleibt das Umfeld fragil. Erst eine Stabilisierung oberhalb der aktuellen Tiefs könnte das kurzfristige Bild wieder aufhellen.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.