
Der Austral-Dollar gegenüber dem US-Dollar ist in der vergangenen Woche deutlich unter Druck geraten. Besonders am Mittwoch und Donnerstag kam es zu einem kräftigen Rücksetzer. Auf Wochensicht verlor AUD/USD rund 1,28 % und schloss bei 0,7154. Bemerkenswert ist dabei die Dynamik der Bewegung: Noch zur Wochenmitte konnte der Austral-Dollar bis auf 0,72715 ansteigen, bevor der Markt scharf drehte und die Gewinne vollständig wieder abgab. Für eine Währung ist das ein ausgesprochen starker Move.
Der Hauptgrund lag weniger in Australien selbst, sondern in der deutlichen Neubewertung des US-Dollars. Der Greenback profitierte von steigenden US-Renditen, robusten Konjunkturdaten und vor allem von der zunehmenden Erwartung, dass die Fed aufgrund des neuen Inflationsdrucks möglicherweise wieder über Zinserhöhungen sprechen muss. Höhere Energiepreise, starke CPI- und PPI-Daten sowie die anhaltende Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt haben die Zinssenkungsfantasie nahezu vollständig verdrängt. In einem solchen Umfeld geraten Risiko- und Rohstoffwährungen wie der Austral-Dollar kurzfristig unter Druck.
Trotzdem sollte man die Bewegung einordnen. Auf Jahressicht liegt AUD/USD immer noch rund 6,75 % vorne. Die übergeordnete Stärke ist also nicht gebrochen, aber der Rücksetzer zeigt klar, dass das Risiko kurzfristig deutlich zugenommen hat. Der Markt hat von Carry- und Rohstofffantasie wieder auf US-Zinsvorteil und Dollarstärke umgeschaltet.
Interessant sind die COT-Daten. Das Managed Money hält weiterhin knapp 85.000 Kontrakte long und hat die Position gegenüber der Vorwoche sogar noch einmal ausgebaut. In den aktuellen Daten ist also noch kein erkennbarer Abbau der Long-Positionierung sichtbar. Das kann sich jedoch mit den nächsten Daten ändern, weil der starke Rücksetzer dieser Woche darin möglicherweise noch nicht vollständig reflektiert ist.
Fazit:
Der Austral-Dollar bleibt auf Jahressicht stark, hat aber in der vergangenen Woche einen deutlichen Warnschuss erhalten. Der Rückgang von 0,72715 auf 0,7154 zeigt, wie schnell sich das Umfeld drehen kann, wenn US-Renditen steigen und der Dollar wieder Momentum bekommt. Die Positionierung bleibt laut COT-Daten noch klar long, was grundsätzlich unterstützend ist, aber auch anfällig macht, falls erste Long-Positionen aufgelöst werden. Ich beobachte die Entwicklung eng, halte die übergeordnete Struktur aber vorerst für intakt.