
Arabica-Kaffee: Erholung über 300 US-Cent – saisonal bleibt Vorsicht angebracht
Arabica-Kaffee: Erholung über 300 US-Cent – saisonal bleibt Vorsicht angebracht

Nach der starken Korrektur der vergangenen Monate ist diese Stabilisierung zunächst konstruktiv. Trotz der jüngsten Erholung bleibt Kaffee auf Sicht der letzten zwölf Monate weiterhin deutlich unter Druck und notiert noch klar unter den Extremständen des Vorjahres. Genau deshalb ist die aktuelle Bewegung eher als technische Erholung innerhalb eines größeren Korrekturzyklus zu sehen.
Fundamental bleibt das Umfeld gemischt. Wetterrisiken in Brasilien sowie Unsicherheiten bei der globalen Ernte sorgen immer wieder für kurzfristige Unterstützung. Gleichzeitig bleibt die Marktteilnehmerseite vorsichtig, da die Angebotslage insgesamt weniger angespannt wirkt als noch im Vorjahr. Gerade nach den extremen Preisbewegungen der letzten Jahre reagiert der Markt sehr sensibel auf kleinste Veränderungen in den Ernteprognosen.
Die COT-Daten liefern aktuell kein klares Signal. Das Managed Money hat seine Long-Positionen zuletzt nicht weiter ausgebaut und hält aktuell rund 19.287 Kontrakte auf der Long-Seite. Das ist weder eine aggressive bullische Positionierung noch ein klar bearishes Setup – eher ein Zeichen dafür, dass institutionelle Investoren selbst noch auf eine klarere Richtung warten.
Saisonal wird das Bild aktuell eher schwieriger. Historisch tendiert Arabica-Kaffee bis Anfang beziehungsweise Mitte Juli eher schwächer. Das bedeutet, dass die jüngste Erholung zwar technisch positiv ist, aber gegen eine eher ungünstige saisonale Phase läuft.
Gerade deshalb wird wichtig sein, ob der Markt die Zone um 300 US-Cent nachhaltig zurückerobern kann oder ob diese Marke erneut als Widerstand bestätigt wird. Ein Scheitern dort könnte schnell wieder Verkaufsdruck auslösen.
Fazit:
Die vergangene Woche war ein erster positiver Schritt für Kaffee, vor allem durch die Rückkehr über die psychologisch wichtige Marke von 300 US-Cent im Wochenverlauf. Dass diese Gewinne nicht vollständig gehalten wurden, zeigt jedoch, dass der Markt noch keine echte Trendwende bestätigt hat. Die neutrale Positionierung im Managed Money und die schwächere Saisonalität bis in den Sommer sprechen kurzfristig eher für Vorsicht. Das übergeordnete Bild bleibt interessant, aber für einen nachhaltigen neuen Aufwärtstrend braucht der Markt noch deutlich mehr Überzeugung.

Carsten Stork
Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.