
Agrarrohstoffe - Die Krise über die noch niemand spricht!
Die Blockade der Straße von Hormus und ein drohender Super-El-Niño erschüttern weltweit die Agrarmärkte. Carsten Stork erklärt, warum Düngemittelpreise explodieren, welche Rohstoffe betroffen sind und welche Chancen und Risiken sich Anlegern bieten.
Die weltpolitische Lage und der Klimawandel setzen den Rohstoffmärkten zunehmend zu. Während die Energiepreise im Fokus der Berichterstattung stehen, bahnt sich eine Agrarkrise an, die Anleger aufhorchen lassen sollte. Im Interview mit Tom Eidloth erläutert Rohstoffexperte Carsten Stork die dramatischen Entwicklungen bei Düngemitteln und ihre Auswirkungen auf wichtige Agrarrohstoffe wie Mais, Weizen und Sojabohnen. Begleiten Sie uns in eine detaillierte Analyse der aktuellen Marktverwerfungen und möglichen Handelsstrategien.
Die Straße von Hormus: Engpass bei Düngemitteln
Die Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Kriegs sorgt für massive Probleme auf den Rohstoffmärkten. Betroffen sind nicht nur Energierohstoffe wie Öl und Gas, sondern auch wichtige Düngemittel wie Urea. Rund zwei Drittel des global benötigten Stickstoffdüngers stammen aus der Region und müssen über die strategisch wichtige Wasserstraße transportiert werden.
„Ohne Stickstoffdünger ist es nahezu unmöglich, Erträge in gewohnter Größenordnung zu erzielen“, erklärt Carsten Stork.
Laut Stork haben sich die Urea-Preise seit Dezember 2025 verdoppelt, von 350 US-Dollar je Tonne auf knapp 700 US-Dollar im April 2026. „Im Einzelhandel liegen die Preise teilweise sogar bei 900 US-Dollar. Das macht Düngemittel für viele Farmer unerschwinglich“, führt er weiter aus. Besonders betroffen sind US-Farmer, die in diesen Wochen Mais aussäen, eine Kultur, die besonders viel Stickstoffdünger benötigt.
Preisexplosion bei Agrarrohstoffen: Mais, Weizen und mehr
Die steigenden Kosten für Düngemittel zwingen viele Landwirte dazu, Alternativen zu suchen. So wird zunehmend von Mais auf weniger düngemittelintensive Pflanzen wie Sojabohnen umgestellt. Dies könnte laut Stork langfristig zu einem Engpass bei Mais führen, was die Preise weiter in die Höhe treiben dürfte.
Ein Blick auf den Mais-Future zeigt die angespannte Lage: Seit August 2025 klettern die Preise kontinuierlich, verstärkt durch die aktuelle Krise. „Analysten halten Preise von 900 bis 1.000 US-Cent pro Bushel bis Jahresende für möglich“, prognostiziert Stork. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Weizen, dessen Future aktuell auf einem Zwei-Jahres-Hoch von 641 US-Cent pro Bushel notiert.
„Wenn die Krise anhält, könnten die Preise durch Panikkäufe oder strukturelle Marktänderungen weiter anziehen“, so Stork.
Super-El-Niño: Ein weiteres Risiko für Agrarrohstoffe
Die komplexe Lage auf den Märkten wird durch die drohenden Wetterextreme eines Super-El-Niños noch verschärft. Dieses Klimaphänomen, das durch eine Erhöhung der Oberflächenwassertemperatur im Pazifik gekennzeichnet ist, könnte laut der US-Wetterbehörde NOAA noch 2026 auftreten. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von aktuell 60 Prozent ist ein Super-El-Niño im Frühsommer nicht auszuschließen“, erläutert Stork.
Die potenziellen Auswirkungen sind global: Dürren in landwirtschaftlich wichtigen Regionen wie den USA, Indien, Brasilien und Australien könnten die Ernten massiv beeinträchtigen. „Super-El-Niños führen häufig zu Hitzewellen und extremen Wetterereignissen. Betroffen wären u.a. Mais, Soja, Weizen und Soft Commodities wie Zucker und Kaffee“, so Stork.
Soft Commodities: Chancen und Herausforderungen
Neben den Hauptgetreidesorten könnten auch Soft Commodities wie Zucker und Baumwolle im Zuge der Krise an Attraktivität gewinnen. Stork hebt hervor, dass Zuckerpreise nach Jahren der Schwäche auf ein Comeback zusteuern könnten. „Die derzeitigen Preise von 13 US-Cent könnten deutlich steigen, sollten sich El-Niño-Bedingungen verstärken“, erklärt der Experte.
Eine langfristige Perspektive sieht Stork zudem bei Kakao und Kaffee, deren Anbau ebenfalls von Wettereinflüssen abhängig ist. Anleger sollten jedoch die Risiken beachten, die mit dem hoch spekulativen Handel dieser Rohstoffe verbunden sind.
Marktbewegungen nachverfolgen: Produkte für Privatanleger
Für Privatanleger bieten sich vor allem Optionen auf Mais, Weizen und Soja an. „Hier gibt es Hebelprodukte und Mini-Futures, die von Emittenten in Deutschland angeboten werden und eine Partizipation an den Rohstoffmärkten ermöglichen“, empfiehlt Stork. Schwieriger gestaltet sich der Zugang zu Reis, das aktuell nur für professionelle Marktteilnehmer zugänglich ist.
Die Diskrepanz zwischen physischen Preisen und Future-Kursen deutet laut Stork auf eine sich zuspitzende Krise hin. „Das ist immer ein Zeichen, dass eine Marktveränderung im Gange ist und schlimmer werden könnte“, warnt er.
Handelsstrategien: Wie Anleger reagieren können
Auf die Frage nach seiner bevorzugten Handelsstrategie in der aktuellen Lage antwortet Stork klar: „Long-Positionen auf Mais und Weizen sind derzeit vielversprechend.“ Trotz der jüngsten Kursanstiege sieht er weiteres Potenzial bis Jahresende, insbesondere wenn die Krise im Nahen Osten anhält oder sich die El-Niño-Prognose bewahrheitet.
„Es lohnt sich, den Markt für Soft Commodities im Auge zu behalten. Produkte wie Zucker und Kaffee könnten im Falle extremer Wetterereignisse erhebliches Potenzial entfalten“, so Stork.
Fazit: Großes Potenzial, aber hohe Risiken
Die aktuelle Lage auf den Agrarmärkten zeigt eindrucksvoll die Verflechtung geopolitischer und klimatischer Risiken. Von der Blockade der Straße von Hormus bis hin zum drohenden Super-El-Niño mehren sich die Belastungsfaktoren für Landwirte und Rohstoffmärkte. Carsten Stork sieht insbesondere bei Mais und Weizen Chancen, empfiehlt jedoch, Risiken durch Diversifikation zu minimieren.
Sehen Sie sich das ganze Video an und erfahren Sie mehr über die Einschätzungen und Strategien von Carsten Stork.

Tom Eidloth
Tom Eidloth gründete 2020 gemeinsam mit Dr. Dennis Riedl die Renditemanufaktur. Er ist seit über 20 Jahren in der Finanz-Szene unterwegs, Geschäftsführer des Unternehmens und moderiert diverse Live-Events und Webinare. Dabei immer im Fokus: "What´s the Trade?", also wie kann der Privatanleger langfristig profitieren.
